Nachruf auf einen großen Gitarristen, Künstler und Bruder. Winne 1984 wie ihn die Fans liebten: tief im Solo versunken...Winnes letzter Auftritt im Jahre 2000Schon zu Gymnasiumszeiten fing er an sich für E-Gitarre zu interessieren. Sein größtes Vorbild war Jimi Hendrix. Anfangs groß geworden mit Hardrock, wendete er sich nach seinem Gitarrenunterricht auch anderen Musikstyles zu. So z.B. Flamenco, Salsa, Jazz, Funk, und Fusion-Jazz-Rock. In diversen Bands ab Mitte der 1970er Jahre bis hinein in die späten 1980er, prägte er deren Stil entscheidend durch eigene Songs und Arrangements mit.Auf der Bühne war er stets auch der Solist ohne Allüren, der Musiker mit Einfühlungsvermögen, der auch immer Platz schaffen konnte für die Kunst der anderen ohne sich permanent in den Vordergrund spielen zu müssen. Oft war es gerade so, daß die Jungs in der Band mehr Soli von ihm hören wollten. Er sah jedoch seine Aufgabe als Instrumentalist in der Verpflichtung, alles für den Song zu tun...alles was das Gesamtbild brauchte um stilistisch "rund" zu werden...Sein tiefes musikalisches Verständnis brachte er in etlichen Kompositionen zu Gehör. Er schuf eine Melange aus vielen Stömungen ohne "verpopt" zu wirken...halt immer "Winne-like"...Winnes Leidenschaft zur Musik war buchstäblich. Obwohl er immer beneidenswert ausgeglichen war, wurde er doch in einem Punkt so richtig laut - nämlich wenn es darum ging, belehrungsresistenten Musikern zu erklären, daß es besser ist ihr Instrument an gewissen Stellen nicht zu spielen...Was ihn als Produzent im Studio auszeichnete war seine immense Geduld. Auch wenn dieser Akkord wieder zum X-ten Mal an der selben Stelle versiebt wurde, und der gleiche Lauf wieder an dem einen Ton zum Stocken kam, so gelang es ihm in jeder Session auch die schlechtesten Musiker zu Höchstleistungen anzuturnen. Meistens dadurch, daß er locker, so als wäre es wie "Butterbrot-essen", kleine Riffs à la Al Di Meola oder John Mc Laughlin den Gitarristen als Gedankenstütze hinwarf. Was er leider allzu oft danach erntete, waren erstaunte Gesichter, die im Wechsel erst ihre Gitarre und dann wieder ihn anschauten, so als konnten sie nicht glauben, daß das aus ihrer Gitarre kam...Sicher, er hätte den jungen Musikern die ganze Arbeit abnehmen und im Studio alles selbst einspielen können- oft genug hatte mancher darum gebeten. Aber er sagte: "Der soll das ruhig selbst ausprobieren. Wenn’s ein Fremder eingespielt hat, wird er sich die Aufnahmen später nur einmal anhören. Man entwickelt sich am Instrument nur weiter, wenn man solche Herausforderungen annimmt."Wenn dann so ein "kompliziertes" Riff mal “im Kasten” war und der Musiker mit stolz geschwellter Brust bei seinen Bandkollegen angesichts seiner “unglaublichen Virtuosität” angab wie 20 nackte Wanzen, so hörte man Winne oft einem solchen Künstler zurufen: "Versuch's nochmal. Das war zwar der richtige Weg, aber das Bessere ist immer der Feind des Guten!"So war Winne...Er starb am 09.09.2003 an den Folgen eines Herzinfarkts bedingt durch seine Diabetes.Er wurde 46 Jahre alt.ImpressumWinfried Kipper